Interviewpartner

Maike Schürger, Architektin leitet die Organisationseinheit BIM / Gebäudemodell und ist seit 2 Jahren in der Implementierung der BIM-Methodik bei der Flughafen Zürich AG involviert.

Interview

Die Flughafen Zürich AG ist seit Juni 2020 Mitglied im Bauherrenstandard «Bauherrenstandard.ch». Welche Ziele verfolgt die Flughafen Zürich AG mit der Mitgliedschaft?
Die Flughafen Zürich AG verspricht sich von der Mitgliedschaft einen Informationsaustausch hinsichtlich der Marktentwicklung im Thema BIM und der konsolidierten Übermittlung wesentlicher Neuerungen für die Standardisierung der Methode.

Der Bauherrenstandard ist auf das Bau- und Immobilienwesen ausgerichtet. Welchen Stellenwert nimmt das Bau- und Immobilienwesen in den Geschäftstätigkeiten der Flughafen Zürich AG ein?
Für die Erfüllung des Konzessionsauftrags des Bundes betreffend luftfahrttechnischer Verkehrsanbindung der Schweiz stellt die Flughafen Zürich AG mit ihren Gebäuden die Infrastruktur zur Verfügung und bildet damit das Rückgrat für alle ihre weiteren Geschäftstätigkeiten.

Die Digitalisierung des Bau- und Immobilienwesens ist in aller Munde. Was bedeutet die Digitalisierung für die Flughafen Zürich AG, insbesondere für das Immobilienportfolio?
Unter dem Begriff «Digitalisierung» verstehen wir bei der Flughafen Zürich AG folgendes: «Digitalisierung ist die gezielte Nutzung bestehender und neuer digitaler Technologien (z.B. Cloud, Big Data, Internet of Things, Artificial Intelligence etc.) zur Ermöglichung neuer Kundenerlebnisse. Die Digitalisierung soll einerseits einen Beitrag zur Wertsteigerung herbeiführen (Transformation der Interaktionen mit/zwischen Unternehmenseinheiten, Partnern, Kunden und Passagieren) und andererseits die Effizienzsteigerung fördern durch Automatisierung, Industrialisierung und Vernetzung von Geschäftsprozessen. Damit verbunden ist die Zielsetzung, die Effizienz, Qualität und Durchlaufgeschwindigkeit zu erhöhen und gleichzeitig Kosten zu reduzieren. Dieser generelle Ansatz der Digitalisierung gilt selbstverständlich auch für unser Immobilienportfolio.

BIM (Building Information Modelling) scheint das «Schlagwort» der Digitalisierung zu sein. Wie steht die Flughafen Zürich AG zur Methode BIM?
BIM bedeutet für das Unternehmen eine Methode, welche die Organisation bei der Umsetzung eines integrierten Immobilienmanagements unterstützt und mithilft, über alle Lebensphasen eines Gebäudes einen qualitativen sowie wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Immobilien zu generieren.

Welche Mehrwerte erwartet die Flughafen Zürich AG durch den Einsatz der Methode BIM innerhalb von Planungs- und Bauprojekten und für Betriebsprozesse?
Die Flughafen Zürich AG erwartet durch die Bauwerksmodelle mehr Transparenz für Entscheidungsprozesse (z.B. mit Simulationen) und damit eine Steigerung der Qualität und Effizienz in den Planungs-, Bau-, Bewirtschaftungs- und Betriebsprozessen.
Als Ergebnis muss aus dem Planungs- und Bauprozess eine phasengerechte und strukturierte Schlussdokumentation vorliegen, welche den qualitativen, inhaltlichen und strukturellen Anforderungen des Betriebs gerecht wird. Durch die transparentere und schnellere Verfügbarkeit der Gebäudedaten können die Bewirtschaftungs- und Betriebsprozesse optimiert werden.

Der Räumliche Perimeter vom Flughafen ist begrenzt. Für Neubauten scheint nicht mehr viel Platz vorhanden zu sein. Die Methode BIM fokussierte bisher kaum den Umbau/die Renovation von Bestandsgebäuden. Ist BIM für den Bestand ein Thema für die Flughafen Zürich AG?
Dies ist ein sehr wichtiges, auszuformulierendes Thema, da die überwiegende Anzahl von
(Bau-)Projekten am Flughafen Zürich immer Schnittstellen zum Bestand haben. Mit der Einführung der Methode muss gerade dieser Projektkomplexität besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Organisation BuildingSmart International, welche sich der Standardisierung der Grundlagen für den Einsatz der Methode BIM verschrieben hat, entwickelt aktuell die Datenaustauschformate für den Tiefbau. Inwiefern beeinflussen diese Entwicklungen die Planungs-, Bau- und Betriebsanforderungen der Flughafen Zürich AG im Infrastrukturbau?
Im Bereich Tiefbau sind die Grundlagen noch nicht so weit wie im Hochbau und Immobilienwesen. Der Geschäftsbereich Infrastruktur der Flughafen Zürich AG erarbeitet anlehnend an Best Practices die Grundlagen und Anforderungen an die BIM Methodik. Die Formulierungen in der Strategie soll die übergeordneten Ziele der Flughafen Zürich AG bilden und über alle Geschäftsbereiche kongruent sind.
Es wird eine mehrjährige Testphase mit Pilotprojekten benötigt, um künftig von der Methode im Planungs- und Realisierungsprozess zu profitieren. Die Standardisierung wird weiter voranschreiten und in der Praxis übernommen werden.

Der Bauherrenstandard stellt diverse Standards für Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse bereit. Welche Mehrwerte erwartet die Flughafen Zürich AG durch die Nutzung dieser Standards?
Die Flughafen Zürich AG erwartet zielgerichtete Inputs für die Entwicklung der eigenen Richtlinien, die anschliessend für die Anwendung der BIM Methodik gelten sollen.

Der Bauherrenstandard

Der Bauherrenstandard stellt seit 2005 Datenmanagement-Standards bereit, welche mittlerweile über 100 Bauherren in der Schweiz anwenden. Er umfasst alle wichtigen Definitionen für CAD, CAFM, BIM und Bauwerksdokumentation. Hierbei ist der Bauherrenstandard in 3 Bereiche aufgeteilt:

Spitalstandard
Spitäler weisen hohe, spezifische Fachanforderungen im Betrieb auf. Der «Spitalstandard» bietet ein umfangreiches Werk von Richtlinien, Leitfäden und Werkzeugen für die bedürfnisgerechte Dokumentation und Archivierung von Bauwerken und Bauprozessen. Anwender dieses Standards sind Organisationen, die sich mit dem Bau und der Bewirtschaftung von Immobilien im Healthcare-Bereich auseinandersetzen und Wert auf eine organisierte und nachhaltige Dokumentation legen. Gemeinsam prägen sie die weitere Entwicklung des Standards mit ihren praxisorientierten Bedürfnissen und geben damit ihr Wissen und ihre Erfahrungen an alle anderen Anwender weiter.
Mehr Informationen zum Spitalstandard, hier.

Gemeindestandard
Im Vergleich zu privaten Bauherren, sind öffentliche Bauherren wie Kantone und Gemeinden diversen Richtlinien unterstellt. Der Betrieb von Bauwerken im Hochbau und Infrastrukturobjekten im Tiefbau unterscheiden sich prozessual erheblich gegenüber der Privatwirtschaft. Der «Gemeindestandard» bietet ein umfangreiches Werk von Richtlinien, Leitfäden und Werkzeugen für die bedürfnisgerechte Dokumentation und Archivierung von Bauwerken und Bauprozessen.
Mehr Informationen zum Gemeindestandard, hier.

Bauherrenstandard
Der Bauherrenstandard richtet sich an alle privaten und halbprivaten Bauherren und Immobilienbesitzer, welche Ihre Immobilen bauen und betreiben. Der «Bauherrenstandard» bietet ein umfangreiches Werk von Richtlinien, Leitfäden und Werkzeugen für die bedürfnisgerechte Dokumentation und Archivierung von Bauwerken und Bauprozessen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt und Sie wünschen weitere Informationen, dann klicken Sie hier.

 

 

 

 

Diesen Beitrag teilen auf: